Eine große Investition in die Zukunft

Go-Live für den einzigen Bachelorstudiengang Robotik in Deutschland

 © Stefan Bausewein

Nach rund zweijähriger Planung ist es endlich soweit: Der neue Studiengang Robotik ist im Wintersemester 2020/2021 in Schweinfurt gestartet. Rund 150 Studierende erfüllen den neuen Studiengang mit Leben. Ein großer Schritt für die Zukunft der FHWS und der Region.

Egal ob in der Industrie oder als Staubsauger Zuhause: Roboter machen das Leben angenehmer. Wer aber hätte wohl gedacht, dass der Begriff Roboter bereits 100 Jahre alt ist? Schon in dem tschechischen Drama „R.U.R.“ von Karel Čapek von 1921 wurden menschenähnliche Maschinen als Roboter bezeichnet. Allerdings übernahmen dort die Roboter die Herrschaft über die Menschheit.

Mittlerweile gehören Roboter zum Alltag. Seit sie in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts großflächig in der industriellen Produktion eingeführt wurden, haben sich die Technologien rund um die Roboter stark weiterentwickelt. Heutzutage ist es nicht mehr schwer, die Kinematik eines Roboters, also den Aufbau mit Gelenken und Gliedern, zu bauen. Was einen Roboter wirklich ausmacht, ist nicht das Aussehen, sondern die Anwendung. Genau dies kann aber mit einem normalen Mechatronik- oder Maschinenbaustudium nicht mehr abgedeckt werden. Hier will die FHWS nun mit ihrem zweisprachigen Bachelorstudiengang Robotik/Robotics in ein neues Zeitalter starten. „Studierende sollen in der Lage sein, Roboter selbst zu programmieren und sie in die gewünschte Anwendung zu bringen“, erklärt Studiengangleiter Prof. Dr. Jean Meyer. Allerdings will die FHWS nicht nur die Lehre voranbringen, sondern auch in der Forschung neue Maßstäbe setzen. Dafür wurde extra eine Forschungsprofessur geschaffen, die von Prof. Dr. Tobias Kaupp wahrgenommen wird. Prof. Kaupp ist für diese spannende Herausforderung extra aus Sydney, Australien, nach Schweinfurt umgezogen. „Der Bedarf, der von den regionalen Unternehmen im Bereich der Robotik ausgeht, ist immens“, sagt Prof. Kaupp. So erhofft sich der Robotik-Experte eine gute Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmen in Schweinfurt.

Startschuss nach nur zwei Jahren Planung

Im Januar 2019 starteten beim ersten internationalen Robotiker-Forum der FHWS die Planungen für den Bachelorstudiengang zusammen mit Expertinnen und Experten aus Unternehmen und unter der Beteiligung anderer Hochschulen. Während des Forums diskutierten die Teilnehmenden darüber, welche Herausforderungen die Zukunft bereit hält und wie die Eckpunkte der akademischen Ausbildung dementsprechend aussehen sollten. Damit soll gewährleistet werden, dass Absolventinnen und Absolventen optimal auf die Bedürfnisse der Wirtschaft reagieren können. Deshalb liegt der Fokus des Robotik-Studiengangs im Bereich Informatik. Im Speziellen steht Software-Entwicklung und künstliche Intelligenz (KI) im Zentrum, weil dort die eigentliche Wertschöpfung liegt.

Zudem haben zukünftige Studierende von Anfang an einen großen Robotik-Praktikumsblock, in dem sie die Inhalte an eigenen Projekten anwenden können. „Robotiker sind keine Theoretiker. Robotiker sind Macher“, sagt Prof. Meyer. Außerdem war es vielen Firmen wichtig, ethische Grundlagen nicht außen vor zu lassen. „Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis uns Roboter nicht mehr nur Aufgaben, sondern auch Entscheidungen abnehmen werden“, sagt der Studiengangleiter. Für das sechste und siebte Semester bietet der Studiengang drei Vertiefungsrichtungen an: industrielle, mobile und humanoide bzw. Service-Robotik.

Vor allem im industriellen Robotik-Bereich sehen die zwei Professoren sehr viel Potenzial. So sollen Roboter nicht mehr nur monotone Aufgaben absolvieren, sondern zusammen mit dem Menschen arbeiten. Der Mensch übernimmt alles, was komplex ist, und der Roboter unterstützt diesen mit seiner Kraft, Ausdauer und Präzision. „In diesem Verbund steckt immens viel Potenzial, das wir dringend ausbauen müssen!“, sagt Prof. Meyer. Aber auch die anderen beiden Robotik-Bereiche werden die Welt verändern. Mobile Robotik werde zukünftig die Städteplanung beeinflussen, so Prof. Kaupp. Hier werde die Thematik der autonomen Bewegung ins Zentrum treten: Wie kommen Waren oder Personen von A nach B, ohne dass der Mensch eingreifen muss? Service-Roboter werden unbezahlte Arbeiten wie Putzen oder Waschen im Haushalt eines jeden Menschen übernehmen. „Roboter werden in Zukunft viele Aufgaben im Haushalt übernehmen und damit kostbare Zeit sparen“, prognostiziert Prof. Meyer. „Dafür werden die Leute bereit sein, viel Geld auszugeben.“

Zitat Jean Meyer: Robotiker sind keine Theoretiker. Robotiker sind Macher.

Studiengang startet zur richtigen Zeit

Die FHWS hat dieses Potenzial schon vor einigen Jahren als eine der ersten Hochschulen in Deutschland erkannt. So ist der neue Studiengang im Wintersemester 2020/21 mit rund 150 Studierenden als TWIN-Programm gestartet. Das heißt: Die Kurse werden sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch gehalten, damit auch internationale Studierende vom neuen Studiengang profitieren können. Dieses Programm soll sukzessive als „World-Twin“ auf weitere Hochschulen ausgebaut werden, sodass Studierende nahtlos an andere Partner-Hochschulen wechseln können und umgekehrt. Die Kontakte zu einer chinesischen, indischen sowie amerikanischen Hochschule seien diesbezüglich schon aufgebaut, sagt der Studiengangleiter. Zukünftig hoffen die beiden Professoren, dass insgesamt rund 1.100 Studierende den neuen Bachelorstudiengang mit Leben füllen werden.

Eine wichtige Rolle spielt hierbei das CERI (Center Robotics). In diesem Kompetenzcenter sollen alle Fachbereiche gebündelt werden. Dazu werden zurzeit fünf neue Professuren in den folgenden Fachrichtungen besetzt:  Maschinelles Sehen, Maschinelles Lernen, Mobilrobotik, Industrierobotik und Service-Robotik. „Damit kann die Robotik ganzheitlich, fakultätsübergreifend und interdisziplinär gelehrt werden“, sagt Prof. Kaupp. Man hoffe auch darauf, dass zwischen CERI und dem ebenfalls zur FHWS gehörenden Kompetenzcenter für künstliche Intelligenz (CAIRO) in Würzburg eine Brücke gebaut werden könne, sagt Prof. Meyer. Die Robotik ist ein gutes Anwendungsfeld für die KI. „Wenn man die zwei miteinander verheiratet, dann hat man etwas sehr Großes geschaffen“, meint der Studiengangleiter.

Studierende bekommen eine Maschine erklärt
Mit rund 150 deutschen und ausländischen Studierenden soll der Studiengang zum WS 20/21 starten. (© Stefan Bausewein)
Studierende steuern einen Roboterarm
Robotikerinnen und Robotiker arbeiten Hand in Hand an verschiedenen praktischen Anwendungen. (© Stefan Bausewein)

Neue Impulse für die Region

Natürlich soll auch die Region Schweinfurt von diesem neuen Studiengang profitieren. So könnten sich hier Robotik-Unternehmen niederlassen oder Studierende sogar selbst eigene Start-Ups gründen. Prof. Meyer zeigt sich optimistisch: „Wir wollen zur Kaderschmiede der Robotik werden. Wenn Top-Experten gebraucht werden, dann würde es mich sehr freuen, wenn diese zukünftig aus Schweinfurt kommen.“  Gerade im Bereich der KI müsse man aber realistisch bleiben, erklärt Prof. Kaupp. „Es geht darum, erstmal den Samen einzupflanzen und zu schauen, was daraus gedeiht“, so der Forschungsprofessor. Zukünftig sei es denkbar, Masterstudiengänge auf diesem Bachelor aufzubauen. Das werde aber die Zeit zeigen. Studiengangleiter Prof. Meyer hofft deshalb, „dass der Robotik-Studiengang genau die einschlagende Wirkung haben wird, die sich jetzt schon andeutet“. Zahlreiche Unternehmen sind schon im engen Kontakt mit den FHWS-Experten, da gut ausgebildete Robotikerinnen und Robotiker so gefragt sind wie nie.

Hier möchte die FHWS ihren Beitrag zur rasanten Entwicklung leisten. Prof. Meyer verdeutlicht: „Ich glaube, dass wir heute mit der Robotik dastehen, wo wir in den 80er-Jahren mit den PCs gesteckt haben. In ein paar Jahren werden wir einen riesigen Durchbruch haben.“ Roboter werden intelligenter und damit zu einem Massenphänomen. Prof. Kaupp ist der Meinung, dass sich die ganze Gesellschaft ändern werde, weg von der körperlichen, hin zur intellektuellen geistigen Arbeit. Irgendwann werden Roboter dann genauso selbstverständlich zu unserem Alltag gehören, wie es heute bereits die Computer tun.

Profilfoto Alicia Weigel

Ein Artikel von 
Alicia Weigel