Das nächste Zeitalter der Vernetzung

Kaffeemaschine und Kühlschrank gehen online

 © FHWS

Das Internet of Things (IoT) läutet den Weg in ein neues Zeitalter ein. Die Vernetzung von physischen Gegenständen hat bereits begonnen und erleichtert viele Dinge des alltäglichen Lebens. Auch an der FHWS wird in Zusammenarbeit mit Unternehmen am Einsatz des Internet of Things gearbeitet. Welche Chancen und Risiken mit der Nutzung des IoT entstehen, erläutert Prof. Dr. Bastian Engelmann von der Fakultät Wirtschaftsingenieurwesen.

Das Jahr 2015: Marty McFly schwebt mit seinem Hoverboard über den Rathausplatz von Hill Valley, Doc Brown sagt mit seiner Uhr das Wetter voraus und fliegt mit seinem DeLorean durch die Zeit. Fliegende Autos und Skateboards gibt es zwar noch nicht, aber der Kultfilm „Zurück in die Zukunft II“ aus dem Jahr 1989 enthält einige futuristische Erfindungen, die heute unseren Alltag bestimmen. Ob die Drehbuchautoren schon damals im Sinn hatten, dass man sich mit Hilfe von Wearables das Wetter anzeigen kann, wissen wir nicht. Fakt ist jedoch: Viele Zukunftstechnologien aus der damaligen Zeit sind heute aktueller denn je.

Das Internet of Things (IoT) ist schon lange kein Trend mehr, sondern in vielen Bereichen fast alltäglich. Hierbei bezeichnet das IoT die Vernetzung von Gegenständen des Alltags oder von Maschinen im industriellen Umfeld mit dem Internet. Im Jahr 2015 betrug die Gesamtanzahl der vernetzen Geräte neun Milliarden. Bis zum Jahr 2025 sollen laut dem Marktforschungsunternehmen Gartner 25 bis 50 Milliarden Geräte miteinander vernetzt sein. Jedes Auto, jede Waschmaschine, jede Armbanduhr wird in Zukunft vernetzt sein. Aktuell befinde man sich noch in der Phase des wilden Ausprobierens, sagt Prof. Dr. Bastian Engelmann von der Fakultät Wirtschaftsingenieurwesen an der FHWS. „Das Internet of Things wird sich dann dauerhaft dort durchsetzen, wo echte Mehrwerte generiert werden können,“ betont Engelmann. Mehrwerte entstehen dort, wo diese neuen Dienste den Lebenskomfort erhöhen können. Der Kühlschrank von morgen merkt sich, was wir essen. Er weiß, wann wir aufstehen, Milch und Eier brauchen, und kauft sie online für uns ein. Gleichzeitig werden Sensoren unseren Blutdruck und den Blutzuckerspiegel überwachen und direkt an die Hausärztin oder den Hausarzt und die Apothekerin oder den Apotheker senden.

Foto von Prof. Dr. Bastian Engelmann
Prof. Dr. Bastian Engelmann (© Simone Friese)
Zitat von Prof. Dr. Bastian Engelmann: „Das Internet of Things wird sich dann dauerhaft dort durchsetzen, wo echte Mehrwerte generiert werden können“
Prof. Dr. Bastian Engelmann erklärt Studierenden einen Sachverhalt.
Prof. Dr. Bastian Engelmann ist an der Fakultät Wirtschaftsingenieurwesen tätig. Dort ist er u. a. auch Prostudiendekan. (© Simone Friese)

Wie notwendig ist das Internet of Things?

Doch sind viele dieser Dienste nur Spielereien? „Wir sehen ja heute im Haushaltsbereich zum Beispiel Kaffeemaschinen oder Ventilatoren mit App-Unterstützung. Der Sinn mag sich da vielleicht noch nicht erschließen“, sagt Engelmann. „Aber vielleicht erkennt man später einen Sinn, der erst durch die Verfügbarkeit der Technologie ermöglicht wird.“ Nicht nur im privaten Umfeld können Mehrwerte generiert werden, sondern auch in den verschiedensten Unternehmensfeldern. So werden durch das Internet of Things gänzlich neue Anwendungen in der Produktion, in der Logistik, in der Medizin, in der Landwirtschaft oder im Handel ermöglicht. Fern-OPs, intelligente Verkehrsführung und vollautomatisierte Produktionen sind dabei nur einige Ideen, an deren Realisierung bereits gearbeitet wird.

Unmengen von Daten müssen verarbeitet werden

Eine häufig diskutierte Frage ist, was mit den anfallenden Daten passiert und wie man sie schützt. Denn eine hohe Menge an Daten bringt auch Risiken mit sich. In Zukunft wird es nicht mehr genügen, zu diskutieren, wie Arztpraxen Gesundheitsdaten sicher speichern oder wie soziale Netzwerke ihre Kundeninteressen verwalten. Denn auch der Kühlschrank sieht und hört dann alles. Ebenso wie der Toaster oder das Auto. Dabei fallen besonders im vernetzen Eigenheim, dem sogenannten Smart Home, ein großer Teil von personenbezogenen Daten an. Solche Daten sind beispielweise Angaben über Alter oder Wohnort der Verbraucherin oder des Verbrauchers, das Nutzungsverhalten und die jeweiligen Präferenzen im Smart TV.

Ein Großteil dieser Daten wird über eine Cloud abgespeichert. Cloud-Dienste befinden sich oftmals auf fremden Servern und damit möglicherweise in anderen Ländern mit anderen, eventuell lockereren Datenschutzbestimmungen. Der Sachverständigenrat für Verbraucherschutz sieht personenbezogene Daten als großes Problem. Laut einer Studie aus dem Jahr 2016 zum Thema Verbraucherdatenschutz müsste die Auswahl von Datenverarbeitungssystemen und die Ausgestaltung der konkreten Datenverarbeitungsprozesse so umgesetzt werden, dass keine oder möglichst wenige personenbezogene Daten verarbeitet werden. Solche Daten sollten demnach gar nicht erst anfallen. Wenn aber doch, soll die Anzahl so gering wie möglich gehalten werden. Ziel sei nicht die Reduzierung der Datenmenge als solche, sondern die Minimierung des Personenbezugs der Daten.

Engelmann steht dem Thema ebenfalls kritisch gegenüber: „Ich selbst habe keine Probleme damit, meine Joggingdaten in der Cloud zu speichern – aber ich würde niemals PINs oder Passwörter in der Cloud speichern.“ Allerdings erschwere das Thema Datenschutz auch den Weg für die Zukunft. „Bei Verbesserungsthemen bremst der Datenschutz gefühlt oft den notwendigen Fortschritt aus“, sagt Engelmann.

Zitat von Prof. Dr. Bastian Engelmann: -	„Ich selbst habe keine Probleme damit, meine Joggingdaten in der Cloud zu speichern – aber ich würde niemals PINs oder Passwörter in der Cloud speichern.“

Internet of Things an der FHWS

Das spiegelt sich auch in der Denkweise von Verbrauchern wider. Viele der Anwendungen haben sich bisher nicht wirklich durchgesetzt. Der Grund? Zu teuer, zu unnütz und: zu unsicher. Ökonomisch vielversprechender sind dagegen die Entwicklungen im Business-to-Business-Sektor. So gibt es zum Beispiel selbstfahrende Containertransporter am Containerterminal des Hamburger Hafens, die miteinander kommunizieren und viele Abläufe automatisieren. Die FHWS beschäftigt sich ebenfalls mit dem Internet of Things. Am CIPS (Center Intelligent Production Systems) werden intelligente Sensoren eingesetzt, um Daten aus dem Produktionsumfeld zu erfassen und dadurch einen Mehrwert über Prognosemodelle zu erzielen.

Des Weiteren existiert das Projekt "Optimierung von Prozessen und Werkzeugmaschinen durch Bereitstellung, Analyse und Soll-Ist-Vergleich von Produktionsdaten" (OBerA), das in Zusammenarbeit mit dem Freistaat Bayern ins Leben gerufen wurde. Hierbei sollen metallverarbeitende mittelständische Unternehmen aus Franken bei der Digitalisierung ihrer Systemlandschaft unterstützt werden. „Zusammen mit den Professoren-Kollegen Schleif und Dobhan helfen wir in Kooperation mit der Siemens AG dabei, mehr Transparenz über die Prozesse der Unternehmen zu erhalten“, sagt Engelmann. Aus Schweinfurt sind die Unternehmen Kritzner Metalltechnik GmbH und die Firmengruppe Pabst beteiligt. In beiden Unternehmen sollen Produktionseinrichtungen vernetzt und Mehrwertinformationen generiert werden.

Das Internet of Things ist unaufhaltsam. Im professionellen Umfeld hat das IoT bereits Einzug gehalten. Arbeitsabläufe können automatisiert und optimiert werden. Im privaten Bereich herrscht hingegen noch große Skepsis gegenüber dem wirklichen Mehrwert und insbesondere der Sicherheit von vernetzten Geräten. Dabei sollten eher die Themen Transparenz und Aufklärung im Vordergrund stehen. Was passiert mit meinen Daten? Welche Daten werden weiterverarbeitet? Solche Fragen stellt sich die Verbraucherin oder der Verbraucher im Alltag eher selten. Dabei werden sie tagtäglich mit ihren eigenen Daten und deren Freigabe konfrontiert. Das Bewusstsein hierfür ist also noch nicht gegeben. Was jedoch feststeht: Das aktuelle Wetter wird uns mittlerweile über unsere Smartwatch angezeigt. Am Ende hatten die Macher von „Zurück in die Zukunft II“ wohl doch bei einigen Dingen ein gutes Näschen. Und vielleicht fliegen auch wir in naher Zukunft mit Autos durch die Luft.

Portraitfoto Felix Dreifürst

Ein Artikel von 
Felix Dreifürst