Im Auslandssemester: „Roskilde ist einfach klein und verschlafen“

FHWS-Studentin Magdalena Trauth über ihre Erfahrungen im Auslandssemester

 © Magdalena Trauth

Auslandsaufenthalte machen sich nicht nur gut im Lebenslauf. Sie bringen wertvolle Erfahrungen für den späteren Berufsalltag. Magdalena Trauth, Marken- und Medienmanagement, hat sich genau für dies im Wintersemester 2019/20 entschieden. Welche Erfahrungen die jetzt 26-Jährige dabei im dänischen Roskilde sammeln konnte, erzählt sie im Interview.

Wieso hast du Dich für Dänemark entschieden?

Ehrlich gesagt hatte ich mich zunächst gar nicht für Dänemark entschieden, sondern für England. Aber durch den Brexit hat das nicht funktioniert. Da ich aber unbedingt in ein englischsprachiges Land wollte, habe ich mich für das skandinavische Dänemark entschieden. Das hat mich vom Land her schon immer interessiert und es ist nicht ganz so weit weg von meiner Heimat. Da es mein erster Auslandsaufenthalt war, wollte ich auch nicht so weit weg.

Wie bist du dann auf das Zealand Institute of Business and Technology in Roskilde gekommen?

Das war die einzige Partnerhochschule in Dänemark, die auch den Marketing-Studiengang anbietet. Genau diesen wollte ich besuchen. Er nennt sich „AP degree Marketing“. In Dänemark gibt es ein komplett anderes Bildungssystem. AP heißt, dass es vier Semester sind. Aber um es mit dem deutschen Bachelor vergleichen zu können, müsste man dort noch ein „Top up“ belegen für zwei bis vier Semester. Ich war quasi im dritten Bachelorsemester dort.

Wie waren die Veranstaltungen an der Hochschule?

Ich hatte meine Module, die ich mir vorher auswählen konnte. Allerdings wurde ich noch in ein paar andere Sachen reingepackt, weil ich im Master ins Ausland gegangen bin. Nicht wie die Mehrheit im Bachelor. Deswegen durfte ich auch schon ins dritte Semester einsteigen. Ein paar Wahlkurse konnte ich mir auch noch aussuchen. Insgesamt hatte ich ca. drei bis vier Mal die Woche Uni. Es waren auch alles Präsenzveranstaltungen. Allerdings sind die Veranstaltungen dort sehr praktisch. Im Prinzip war alles zweigeteilt: Ein bisschen Vorlesung und überwiegend praktische Projektarbeit.

Das Zealand Institute of Business and Technology ist eine von vielen Partnerhochschulen der FHWS. (© Magdalena Trauth)

Jetzt hast du ja neben dem Studium an der FHWS auch das in Dänemark kennengelernt. Was waren da die größten Unterschiede zu einem deutschen Studium?

Das Studium in Dänemark ist viel entspannter. Alle duzen sich dort. Selbst die Professorinnen und Professoren wollten nicht gesiezt werden. Allerdings mag ich persönlich das Siezen lieber. Wahrscheinlich, weil ich es aus Deutschland so gewohnt bin. Aber was noch sehr positiv war: ich habe unheimlich viel praktisches Wissen mitgenommen. Den Dozierenden war es einfach sehr wichtig, dass wir ein praktisches Verständnis bekommen. Deshalb hatten wir auch viele Gruppenarbeiten.

Magdalena (links) mit ihrem Buddy Emma (rechts). (© Magdalena Trauth)
In ihrer Freizeit hat Magdalena Trauth viel mit ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen unternommen. Das Bild hier entstand am Abschiedsabend. (© Magdalena Trauth)

Apropos Unterkunft: Wie bist du in Roskilde untergekommen?

Die dänische Hochschule hat ein Zimmer für mich in einer Art Wohnheim gebucht. Das war direkt in der Straße von einer Schlachtereischule. Das war schon etwas absurd. Ich habe dort auch mehrere deutsche Mädels kennengelernt und die waren auch etwas geschockt. Unten im Wohnheim gibt es eine große Foodhall, wo man sich von Montag bis Freitag Essen holen kann. Hinter der Foodhall hat die Schlachterei begonnen. Es kam so oft vor, dass da Personen mit blutverschmierten Mänteln herauskamen und man sich dachte: Okay, alles klar?

Die Däninnen und Dänen sind aber auch dafür bekannt, dass sie sehr viel Fleisch essen.

Das hat man dort auch wirklich gemerkt. Es gab richtig viel Fleisch und auch Kartoffeln. Zu allem trinken sie Milch. Dadurch, dass es dort eben eine Schlachtereischule war, war der fleischliche Aspekt aber deutlich extremer. Allerdings wurden dort auch Weiterbildungen für Köche angeboten. Das Essen war deshalb auch manchmal angebrannt oder nicht durch. Wir waren sozusagen die Versuchskaninchen, was wir mal besser und schlechter fanden. Hier habe ich auch Emma kennengelernt. Sie war auch eine internationale Studentin, allerdings aus Frankreich. Mit ihr bin ich immer zum Frühstück gegangen.

Das Essen in der Foodhall des Wohnheims war immer reichhaltig, wie Magdalena Trauth erzählt. (© Magdalena Trauth)

Hattest du dort viel mit Einheimischen zu tun?

Ich habe am Anfang einen sogenannten Buddy zugeteilt bekommen. Die helfen dir bei den ersten Tagen im neuen Land und zeigen dir die Gegend. Bei mir war das eine Dänin. Dadurch, dass ich aber in der internationalen Klasse und nicht in der dänischen war, hatte ich leider nicht viel mit dänischen Studierenden zu tun. In meiner Klasse waren vielleicht zwei Däninnen und Dänen. Generell hatte ich einfach viel mit internationalen Studierenden aus meinem Studiengang bzw. auch aus meiner Unterkunft zu tun.

Bist du dann viel herumgereist dort?

Ich bin mit Emma, der französischen Erasmusstudentin, sehr viel mit dem Zug gereist. Wir waren zum Beispiel in Aarhus oder auch in Schweden. Malmö liegt ja gleich an der Grenze. Es ist einfach nochmal etwas Anderes, wenn man dann in anderen Städten ist – weg von der Uni und dort wirklich die Menschen kennenlernt. Das waren so meine Highlights.

Wie würdest du die Däninnen und Dänen beschreiben?

Nett, offen – eigentlich sehr weltoffen. Englisch redet dort wirklich jeder. Ich habe auch mit einer 70-Jährigen Frau geredet und die konnte super Englisch. Im Vergleich zu Deutschland fand ich das echt richtig klasse.

Damit wurdest du auch ‚gezwungen‘ Englisch zu reden, oder?

Das war tatsächlich mein Problem in Deutschland. Dort habe ich mich nie getraut, weil ich Angst hatte, etwas falsch zu machen. Aber jetzt hat sich mein Englisch wirklich verbessert. Was ich aber noch mitgenommen habe, sind die Freundschaften, die ich dort geschlossen habe. Mit Vielen habe ich jetzt noch engen Kontakt. Es war wirklich eine schöne Erfahrung, die ich jedem ans Herz legen möchte.

Was würdest du anderen noch empfehlen, wenn sie ein Auslandssemester planen?

Bleibt entspannt und beharrt nicht so sehr auf Plan A. Nehmt alles so, wie es kommt und macht einfach das Beste daraus. 

Foto von Alicia Weigel

Ein Artikel von 
Alicia Weigel

Im Interview: 
Magdalena Trauth