Nachwuchswissenschaftlerinnen gesucht

Die FHWS möchte Mädchen und Frauen für die Wissenschaft begeistern

 © Carola Dibal

Ob Studierende oder Lehrkräfte: Vor allem in der Anfangszeit waren an der FHWS Männer deutlich stärker vertreten als Frauen. Heute ist der Frauenanteil an vielen Fakultäten gestiegen. Doch im MINT-Bereich herrscht nach wie vor ein Ungleichgewicht. Mit verschiedenen Initiativen setzt sich die FHWS für einen höheren Frauenanteil ein.

Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik: In den sogenannten MINT-Fächern waren Frauen in der Vergangenheit stark unterrepräsentiert. Weniger als fünf Prozent der Promovierten im MINT-Bereich in Deutschland waren im Jahr 1973 weiblich, verzeichnet das Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit. Zwar ist der Anteil bis 2019 auf knapp 34 Prozent gestiegen, doch nach wie vor gibt es einen Frauenmangel in technischen und naturwissenschaftlichen Fächern. Das spiegelt sich deutschlandweit in der Zahl des wissenschaftlichen Personals und der Studierenden wider. Die FHWS hat heute zwar an vielen Fakultäten eine Überzahl an Studentinnen, doch in den MINT-Fächern sind Frauen nach wie vor unterrepräsentiert. Um den Frauenanteil zu erhöhen und Chancengleichheit in sämtlichen Bereichen der Wissenschaft zu erreichen, gibt es an der FHWS verschiedene Maßnahmen und Förderprogramme.

Die ersten Initiativen für Frauen

Ein entsprechendes Angebot für Schülerinnen sind die MINT-Schnuppertage. „Wir machen Instant-Kakao“ oder „Warum hält das Sprungbrett?“ hießen zwei der zahlreichen Workshops die an der FHWS für interessierte Mädchen angeboten wurden. Durch Experimente zum Mitmachen sollen die Teilnehmerinnen für technische und naturwissenschaftliche Fächer begeistert werden. Die Initiative für die ersten Schnuppertage ergriff Prof. Dr. Christiane Walter, die damals Maschinenbau lehrte, im Jahr 2000 in Schweinfurt. Als Frauenbeauftragte ihrer Fakultät saß sie der Berufungskommission für neue Professuren bei. Ihre Aufgabe war es, Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern im Berufungsprozess sicherzustellen. „Ich merkte, dass meine Mitgliedschaft in der Kommission kaum etwas an der Situation ändern konnte“, erklärt Walter, die beinahe zehn Jahre lang die einzige Professorin am Standort Schweinfurt war. „Wie sollte ich auf Chancengleichheit achten, wenn es gar keine weiblichen Bewerbungen gab?“ Als zukunftsweisende Lösung sah Walter daher die Ansprache einer jüngeren Zielgruppe, um für weiblichen Nachwuchs in der Wissenschaft zu sorgen. Seit ihrer Einführung wurden die Schnuppertage auf beide Standorte der FHWS ausgeweitet und fanden im vergangenen Jahr bereits zum 21. Mal statt.

Zitat Prof. Dr. Christiane Walter: „Wie sollte ich auf Chancengleichheit achten, wenn es gar keine weiblichen Bewerbungen gab?“

Gegen den Mangel an Professorinnen konnten die Schnuppertage kurzfristig nichts ausrichten, unter den Studierenden glich sich das Geschlechterverhältnis jedoch mit der Zeit an: Waren beispielsweise an der Fakultät Maschinenbau 1999 insgesamt nur zehn Studentinnen eingeschrieben, so waren es zehn Jahre später schon 67. Doch nicht nur der Standort Schweinfurt und die Fakultät Maschinenbau waren in den frühen Jahren männerdominiert. Ein Blick auf die ältesten Studiengänge der Hochschule erklärt, warum die Anzahl männlicher Studierender sehr hoch war: die seit dem Gründungsjahr bestehenden Studiengänge sind Elektro- und Informationstechnik, Maschinenbau, Wirtschaftsingenieurwesen, Architektur und Bauingenieurwesen. Damit lag der Fokus der Hochschule zunächst ausschließlich auf MINT-Fächern.

Zitat Sonja Ehrenfels: „Vielen Mädchen ist nicht klar, dass sie die gleichen Möglichkeiten haben wie Jungen.“

Weiter Handlungsbedarf in vielen Bereichen

Über die Anfangsjahre sind keine Aufzeichnungen vorhanden, doch in den letzten zwanzig Jahren ist der Anteil an Studentinnen beinahe kontinuierlich gewachsen. Im Wintersemester 2020/21 waren 42,7 Prozent der 9.145 Studierenden der FHWS weiblich. An den einzelnen Fakultäten hingegen ist das Geschlechterverhältnis keineswegs so ausgeglichen wie an der Hochschule insgesamt: Die Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften ist mit einem Anteil von 80 Prozent Studentinnen im Wintersemester 2020/21 deutlich frauendominiert. Auch an den Fakultäten Gestaltung mit rund 75 Prozent und Wirtschaftswissenschaften mit knapp 58 Prozent sind Studentinnen in der Mehrheit. An den Fakultäten im MINT-Bereich jedoch sind weibliche Studierende mit einem Gesamtanteil von nur 23 Prozent immer noch unterrepräsentiert.

Sonja Ehrenfels ist Referentin der Frauenbeauftragen an der FHWS und sieht trotz einiger Fortschritte in den letzten Jahrzehnten nach wie vor Handlungsbedarf. „Vielen Mädchen ist nicht klar, dass sie die gleichen Möglichkeiten haben wie Jungen“, erklärt Ehrenfels. „Solange das noch nicht selbstverständlich ist, hört unsere Arbeit nicht auf.“ Zu den zentralen Aufgaben der Frauenbeauftragten Prof. Dr. Christina Völkl-Wolf und ihrem Team gehört an der FHWS die Vertretung der Interessen sämtlicher Frauen im Bereich der Lehre, ob Studentinnen, Professorinnen, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen oder Dozentinnen. Durch Veranstaltungen und individuelle Beratung sollen Frauen über ihre beruflichen Perspektiven informiert werden. Als Teil dieser Maßnahme beteiligt sich die FHWS auch am BayernMentoring-Programm. Dabei werden Studentinnen in den MINT-Bereichen von Mentorinnen aus der Wirtschaft bei ihrem Übergang in den Job begleitet.

Steigende Professorinnenzahlen an der Hochschule

Auch im Hinblick auf das Hochschulpersonal sollen Frauen künftig für Bereiche gewonnen werden, in denen sie aktuell unterrepräsentiert sind. „Besonders schwierig ist es, den Anteil an Professorinnen zu erhöhen“, erklärt Ehrenfels. „Wir machen zwar Fortschritte, aber es geht langsam. Alle bayerischen Hochschulen haben damit zu kämpfen.“ Als ersten Schritt für mehr Professorinnen informiert das Büro der Frauenbeauftragten Studentinnen über ihre Möglichkeiten zur Promotion und unterstützt Nachwuchswissenschaftlerinnen. Zudem gibt es eine Initiative zur Gewinnung von Professorinnen für die FHWS. In einer 2018 geschlossenen Vereinbarung mit dem bayerischen Kultusministerium hat sich die Hochschule zum Ziel gesetzt, den Professorinnenanteil von damals 15,5 Prozent auf 17,9 Prozent bis Ende 2021 anzuheben. Eva Kaupp ist für die Initiative zuständig und mit der bisherigen Entwicklung zufrieden. „Das Ziel ist sehr ambitioniert, aber wir sind auf einem guten Weg“, erklärt sie. „Im Sommersemester 2021 lag der Anteil bereits bei über 17 Prozent.“ Um mehr Professorinnen zu gewinnen sei es wichtig, die Bewerberzahlen insgesamt zu steigern. Es gehe nicht darum, Frauen im Bewerbungsprozess zu bevorzugen. „Je mehr Bewerberinnen wir haben, desto höher sind die Chancen, dass eine Frau berufen wird“, sagt Kaupp. „Letztendlich ist natürlich die Qualifikation das Entscheidende.“

Der Professorinnenanteil an der FHWS stieg von 15,5% im Jahr 2018 auf über 17% im Sommersemester 2021. Das Ziel bis zum Jahresende 2021 sind 17,9%.
Zitat Eva Kaupp: „Je mehr Bewerberinnen wir haben, desto höher sind die Chancen, dass eine Frau berufen wird.“

Eva Kaupp ist an der FHWS zuständig für die Initiative zur Gewinnung von Professorinnen. (© FHWS/Simone Friese)

Im Jahr 2020 wurden erstmals ein Drittel der neu berufenen Professuren weiblich besetzt. Die Zielvorgaben für die einzelnen Bereiche orientieren sich an der Gesamtanzahl der weiblichen Promovierten im jeweiligen Fach. In den Sozialwissenschaften und in Informatik und Wirtschaftsinformatik konnte die FHWS die Zielvorgaben bereits übertreffen, in den anderen Fachbereichen wird noch daran gearbeitet. „Frauen mit Promotion, Berufserfahrung und idealerweise dem Schwerpunkt MINT sind nicht einfach zu finden“, erklärt Kaupp. Ein wichtiger Punkt sei, junge Frauen überhaupt erst für ein Studium und eine Promotion in diesen Bereichen zu begeistern. Der Ansatz von Walter, verstärkt die junge Zielgruppe anzusprechen, ist auch nach über zwanzig Jahren noch relevant. Von den MINT-Schnuppertagen über das BayernMentoring bis hin zur Förderung von Nachwuchs-Wissenschaftlerinnen hat die FHWS heute ein System etabliert, das langfristig zu einem höheren Frauenanteil in bisher männerdominierten Bereichen beitragen kann.

ProPere: Erfolgreicher FHWS-Förderantrag zur Professoralen Personalgewinnung und –entwicklung

Hochkarätige Bewerberinnen und Bewerber für Professuren an der FHWS begeistern und das bestehende professorale Personal bei der beruflichen Weiterentwicklung unterstützen: Um diese Ziele in den nächsten sechs Jahren verfolgen zu können, hat die FHWS im Juni 2021 eine Fördersumme von rund 7,3 Millionen Euro mit einem Antrag beim Bundesministerium für Bildung und Forschung einwerben können. Damit werden Projekte zur Erhöhung der Sichtbarkeit der FHWS als Arbeitgeber angestoßen, sowie zur Nachwuchsförderung, Rekrutierung und zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Diese Förderung ist eine große Chance für unsere Hochschule. In Verbindung mit dem bayerischen Hochschulinnovationsgesetz, das in Kürze in Kraft treten soll, erlaubt sie uns, neuartige Maßnahmen zur Gewinnung und Entwicklung professoralen Personals, wie Schwerpunktprofessuren, Tenure Track-Modelle und Tandem-Programme, mit der Industrie zu pilotieren“, sagt FHWS-Vizepräsidentin Prof. Dr. Gabriele Saueressig.

Zum Pressebericht über das Projekt ProPereFHWS

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Bild von einer Professorin an einem Pult
Portrait Nina Kammleiter

Ein Artikel von 
Nina Kammleiter