FHWS stärkt mit 3IN-Allianz Internationalisierung der Sozialwissenschaften

Sieben europäische Hochschulen entwickeln europäischen Campus

 © Fiona Menzel

Das Angebot, zweisprachig zu studieren oder an eine ausländische Partnerhochschule zu gehen, war bisher in den Ingenieurs- und Wirtschaftswissenschaften sehr ausgeprägt. Mit der 3IN-Allianz baut die FHWS gemeinsam mit dem Hochschulservice Internationales und der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften ihr Mobilitätsangebot für Studierende und Lehrende aus.

Die Präsidenten der sieben 3IN-Alliance-Hochschulen
v. l. n. r.: Die Präsidenten der sieben 3IN-Alliance-Hochschulen nach der Unterzeichnung des Kooperationsvertrages in Paris: Jean-Pierre Astruc, President of USPN, Tapio Kujala, Rector DIAK, Robert Grebner, FHWS, Ioan Vasile Abrudan, Präsident UniTBv, Francisco Chicano, VP International Relations Uni Malaga, João Luís Nogueira, Präsident ISAVE Bård Mæland Rector VID

2018 veröffentlichte die EU die erste Pilotausschreibung: Internationale Projektteams mit einer gemeinsamen Vision konnten sich als Europäische Hochschule bewerben. Europäische Hochschulen sind transnationale Zusammenschlüsse, die von der EU finanziell gefördert werden. Binnen kürzester Zeit fanden sich sechs Hochschulen aus allen Teilen Europas zusammen, darunter auch die FHWS. Gemeinsam gründeten sie 2019 die 3IN-Allianz als sozialwissenschaftlich orientierte Wissens- und Lerngemeinschaft. Obwohl die Initiative auch in der zweiten Ausschreibungsrunde 2020 keine Förderung von der EU erhielt, besteht die Allianz fort. Heute umfasst sie sogar sieben Hochschulen. „Wir werden auch ohne EU-Förderung definitiv an der Allianz festhalten, weil das eine einmalige Gelegenheit ist, international zusammenzuarbeiten“, sagt Dr. Kristina Gehring, Erasmus+ Programmkoordinatorin an der FHWS. Die Kooperation soll Studierenden und Mitarbeitenden Auslandsaufenthalte und interkulturelles Lernen erleichtern. Erfreulicherweise wird die Weiterentwicklung der 3IN-Kooperation bis Ende 2022 aber vom DAAD aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung im Rahmen des nationalen Begleitprogramms zur EU-Initiative unterstützt und gefördert.

Internationalisierung der Sozialwissenschaften

„Ziel ist es, Synergien zu nutzen: Wir können gemeinsam einfach mehr auf die Beine stellen, wenn wir alles Wissen und Können in einen Topf werfen und daraus ein gemeinsames Projekt initiieren“, erklärt Gehring. Der Fokus auf die Sozialwissenschaften hebt die 3IN-Allianz von bereits bestehenden Programmen ab: „Die Internationalisierung kommt aktuell stark aus dem technischen oder wirtschaftlichen Bereich“, sagt Gehring. In einem ersten Schritt wird nun ein englischsprachiger Bachelor-Studiengang für die Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften entwickelt. Bis 2025 plant die Allianz eine langfristige Bildungsstrategie mit Verbindungen zu Forschung, Unternehmen und Gesellschaft. Ermöglichen soll dies unter anderem ein virtueller Campus, eine Art digitale Plattform aller beteiligten Hochschulen mit gemeinsamen Lehr- und Lernangeboten: Hier sollen Studierende und Mitarbeitende ohne administrative Hindernisse an einer der Partnerhochschulen studieren, lehren, forschen und arbeiten können. „Die große Idee dahinter ist, dass wir im Kleinen als Hochschulallianz einen europäischen Campus bilden.“

Von der ersten Ausschreibung zur Hochschulallianz

Um europäischen Herausforderungen zu begegnen, bündeln Europäische Hochschulen Stärken und Vielfalt europäischer Forschung und Lehre in neuen Strukturen. Sie fördern europäische Werte und Identität. Als die EU 2018 die erste Pilotausschreibung veröffentlichte, ergriffen die finnische Hochschule Diak und die norwegische Hochschule VID die Initiative: „Als wir damals entschieden, dass wir gerne Europäische Hochschule werden würden, fragten wir bei Hochschulen in ganz Europa an“, erinnert sich Maria Tendenes, Koordinatorin im International Office der VID. Unter den vier interessierten Hochschulen war auch die FHWS. Bei der EU gingen damals 54 Bewerbungen ein. 17 Europäische Hochschulen mit 114 teilnehmenden Hochschulen bekamen eine Förderung – die 3IN-Allianz erhielt eine Absage. Der Antrag wurde als „genehmigt, aber nicht finanziert“ eingestuft. „Das sehr ausführliche Feedback der EU hat uns motiviert, an dieser Allianz festzuhalten“, blickt Gehring zurück.

Im Februar 2020 bewarb sich die 3IN-Allianz erneut um eine Förderung als Europäische Hochschule. Schätzungen der Hochschule Diak zufolge waren an diesem zweiten Antrag um die 150 Personen beteiligt. Doch auch im zweiten Anlauf hat es für eine Förderung durch die EU knapp nicht gereicht. „Im Kreis der deutschen Hochschulen, die entweder Europäische Hochschule wurden oder knapp daran gescheitert sind, sind vier bayerische Hochschulen: Die Ludwig-Maximilians-Universität München, die Technische Universität München, die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und die FHWS. Das müssen wir uns vergegenwärtigen“, betont Dr. Daniel Wimmer, Leiter des Hochschulservice Internationales an der FHWS.

Diversität als Superkraft

Schon zu Beginn war die geographische Aufstellung der 3IN-Allianz ein Pluspunkt. Im Dezember 2019 kam mit der französischen Universität Sorbonne Paris Nord eine siebte Hochschule hinzu. Folgende Hochschulen gehören der Allianz an (Stand August 2021): 

  • Diakonie Hochschule für angewandte Wissenschaften (Diak), Finnland
  • VID Specialized University, Norwegen
  • Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt, Deutschland
  • Universität Transilvania Brașov, Rumänien
  • Hochschule für Gesundheit (ISAVE), Portugal

„Die Idee war, eine möglichst diverse Hochschulallianz rund um den fachlichen Kern der Sozialwissenschaften zu gründen“, erklärt Gehring. Während die portugiesische Hochschule 300 Studierende und 30 Mitarbeiter umfasst, sind es an der spanischen Universität 35.000 Studierende und 3.500 Mitarbeiter. Insgesamt besteht die Allianz aus 16 Standorten an denen rund 95.000 Studierende lernen. Möglich machen dies 8.000 Beschäftigte in Lehre, Forschung und Administration. Auch bietet die Allianz eine große Bandbreite an Studiengängen: Neben den Sozial-, Gesundheits- und Geisteswissenschaften sind auch medizinische, technische und künstlerische Fachbereiche vertreten.

Zitat Dr. Kristina Gehring, Erasmus+ Programmkoordinatorin an der FHWS: „Die Idee war, eine möglichst diverse Hochschulallianz rund um den fachlichen Kern der Sozialwissenschaften zu gründen.“

Lernen und lehren auf einem europäischen Campus

Die FHWS beschäftigt sich innerhalb der Allianz mit der Mobilität, die für Studierende große Vorteile bietet. Momentan bestehen oft Hindernisse, wenn Studierende Auslandsaufenthalte planen, etwa weil Studienleistungen beim Erasmus-Programm nicht automatisch anerkannt werden. Das kritisiert Gehring: „Es ist erstaunlich, dass jede Hochschule in diesem Bereich immer noch ein eigenes kleines Königreich ist, obwohl das Erasmus-Programm seit Dekaden existiert. Wir wünschen uns, dass das transparenter, einfacher und zugänglicher für die Studierenden wird.“ Dazu gleichen die Koordinatoren unter anderem die Curricula der einzelnen Hochschulen ab.

„Die FHWS ist stark aufgestellt in der traditionellen Mobilität von Studierenden und Mitarbeitern. Die Diak hat dagegen viel Erfahrung mit virtuellen Tools. So bringt jeder Expertisen in die Allianz ein“, erklärt Hanna Mikkonen, International Relations Manager der Diak und Hauptkoordinatorin der 3IN-Allianz. Die Koordinatoren planen neben Präsenzlehre zusätzlich Auslandssemester mit „Blended Learning“-Elementen: Studierende können einen Teil ihrer Kurse an einer Partnerhochschule im Ausland absolvieren und gleichzeitig an virtuellen Kursen der Heimathochschule teilnehmen. Wollen oder können Studierende dagegen keinen Auslandsaufenthalt antreten, haben sie die Möglichkeit, rein virtuelle Kurse an einer Partnerhochschule zu belegen. „Wir möchten ein Campus werden, auf dem sich Studierende entsprechend ihrer eigenen Möglichkeiten und Bedürfnisse frei bewegen können und die Mitarbeitenden natürlich auch“, sagt Gehring.

Dr. Kristina Gehring, Erasmus+ Programmkoordinatorin an der FHWS: „Es ist erstaunlich, dass jede Hochschule in diesem Bereich immer noch ein eigenes kleines Königreich ist, obwohl das Erasmus-Programm seit Dekaden existiert. Wir wünschen uns, dass das transparenter, einfacher und zugänglicher für die Studierenden wird.“

Langfristige Zusammenarbeit

„Die Allianz ist mehr als nur der Aspekt Mobilität. Sie basiert auf einer strategischen Kooperation und umfasst Bildung, Forschung und Dienstleistungen“, ergänzt Mikkonen. Auch wenn es mit der Förderung als Europäische Hochschule zweimal nicht geklappt hat, wird die 3IN-Allianz fortbestehen. „Wir sind vielmehr Kolleginnen und Kollegen als nur Partnerinnen und Partner“, sagen Tendenes und Mikkonen schon heute. Das große gemeinsame Ganze haben alle im Blick: Einen europäischen Campus. „Anstelle, dass jeder nur sein eigenes Ding macht, können wir so voneinander lernen“, sagt Mikkonen.

Studierende unterhalten sich.
Auslandsaufenthalte sollen durch die 3IN-Allianz für Studierende der Sozialwissenschaften vereinfacht werden. Der Hochschulservice Internationales der FHWS ist hierbei ein gute Anlaufstelle. (© Stefan Bausewein)
Foto von Helena Gennutt

Ein Artikel von 
Helena Gennutt